Gegen zwei am Nachmittag nach langem Arbeitstag hatten wir es geschafft, das Boot war auf dem Dach, alles war wasserdicht verpackt, nun konnte es endlich losgehen. Bei unserer Abfahrt viel der erste Schnee in diesem Jahr. Natürlich hatte mein Bruder Martin seinen Schlafsack vergessen, also mussten wir den noch bei ihm holen. Das Wetter besserte sich bald ein wenig und so waren wir ganz guter Dinge, dass unsere Tour, die eigentlich über drei Tage geplant war, ein Erfolg wird. Nach halbjähriger Vorbereitung von der Idee bis zur Ausführung- musste diese Testtour noch in diesem Jahr sein, trotz Kälte und späten Herbstdatums.
Altmühl hinter Pappenheim
In Treuchtlingen starten, durch den Altmühlpark paddeln, und mal sehen wie weit man kommt. Am Freitag wollten wir unbedingt noch aufs Wasser, da wir ja nur drei Tage hatten. Nach Information der Wassersport-Wanderkarte Nr. 4 Deutschland Südost mussten wir also noch bis Pappenheim zum ersten Zeltplatz kommen, bevor es gegen 18.30 Uhr zu dämmern beginnt. Die Autofahrt sollte unseren Plan schon zu nichte machen, da wir eine Stunde Stau in Augsburg hatten, glücklich waren wir allerdings über das Wetter, es war zwar kalt, aber die Sonne schien jetzt. Bald kamen wir nach Treuchtlingen, das in einem Tal lag und im Nebel und Regen steckte. Sollte die ganze Hetzerei jetzt umsonst gewesen sein? Es war mittlerweile auch schon 17.00 Uhr, jetzt musste eine schnelle Entscheidung getroffen werden, da es in anderthalb Stunden dunkel werden würde und wir ja noch fünf Kilometer zu paddeln hatten. Oder sollten wir mit dem Auto nach Pappeheim fahren, auf dem Zeltplatz übernachten und dann erst am Samstag lospaddeln?

Altmühl in Zimmern
Entschieden hat dann Martin er sagte: "Jetzt sind wir schon mal hier also fahren wir auch los" (im nachhinein stellte sich heraus das das eine sehr gute Entscheidung war da wir ja am Samstagabend schon wieder Heim fuhren). Schnell das Boot gepackt, das so ohne Erfahrung und im Regen gar nicht so einfach war. Das Auto konnten wir in Treuchtlingen auch sehr gut parken, denn gleich an der Einsetzstelle ist der riesige gebührenfreie Parkplatz der Stadthalle. Und schon bald paddelten wir mit Regenjacke und Hut los, es war wunderschön nun endlich auf dem Wasser zu sein, der Regen störte eigentlich überhaupt nicht und war auch schon bald verschwunden. Das Steuern war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig da das Boot voll beladen war und die Strömung von hinten auf das Ruder drückte. Dadurch wurde der Steuervorgang ungewöhnlich träge. Das kannte ich bisher nicht, ich war ja dieses Jahr nur unbeladen auf dem Ammersee gefahren, aber ich hab mich schnell daran gewöhnt. Schon bald wurden wir für alle Anreisestrapazen belohnt, der Altmühlpark zeigte sich von seiner einzigartig schönen herbstlichen Seite, an den Hängen der Berge waren alle Farben vertreten von Grün über Gelb und Braun bis hin zum leuchtenden Rot. Mitten im Fluss an einer seichten Stelle stand majestätisch ein wunderschöner Graureiher und ließ sich von uns anfangs überhaupt nicht stören. Es war leicht diesig geworden und so war es ein sehr schöner Anblick gewesen, leider hatten wir die Digicam so weit weg gepackt, es musste ja alles schnell gehen, so daß ich an diesem Tag keine Fotos mehr schießen konnte. Auch die Enten die immer vor uns her schwammen währen wohl ein nettes Motiv gewesen, die waren doch sehr irritiert das um die Jahreszeit noch ein Boot auf ihrem Wasser war.
in aller Früh,Wehr am Campingplatz in Pappenheim
Gegen 18.30 Uhr erreichten wir den Campingplatz in Pappenheim, dort trafen wir einen sehr erstaunten etwas mürrischen Platzwart an. Der nur sagte dass er das in 30 Jahren noch nicht erlebt hat, dass Ende Oktober noch ein Boot kommt und es wohl unsere Sache sei. Das war anscheinend ein echter "Pappenheimer". Die Wiese für Kanuten, die sehr schön am Wehr zwischen Altmühl und Nebenarm liegt hatten wir also ganz für uns allein. Wir beeilten uns mit dem Zeltaufbau denn plötzlich sah es wieder wie Regen aus und es war inzwischen ja auch fast ganz dunkel geworden. Wir kochten uns noch eine Goulaschsuppe und heißen Tee (man glaubt gar nicht was man so für Hunger hat wenn man den ganzen Tag an der Luft ist unsere Vorräte hätten nie für die geplanten drei Tage gereicht). Dann sahen wir uns noch etwas um und weil es jetzt bitterlich kalt wurde, wohl so um die fünf Grad, zogen wir uns in unsere Schlafsäcke zurück. Im Zelt spielten wir noch etwas Karten von dem ich natürlich kein einziges Mal gewann. Jetzt stellte sich heraus, was man bei solchen kalten Temperaturen unbeding benötigt, nämlich eine Isomatte. Ich hätte gedacht, dass unsere Luftmatratze, 20 cm stark, gegen die Kälte von unten ausreicht. Die Winterjacke legte ich also noch unter meinen Schlafsack und schlief dann auch bald glücklich und zufrieden ein, es war ein sehr langer aber wunderschöner Tag.

Unser Lager unter der Buche in Pappenheim

Die Altmühl bei Sonnenaufgang in eisiger Kälte
Trotz allem habe ich bis ca. 5.30 Uhr sehr gut geschlafen. Jetzt wurde es richtig kalt und aus irgendeinem Grund entwich nun auch noch die Luft aus unserer Matratze, obwohl sie doch am Abend gehalten hatte. Also pumpten wir die Matratze noch mal auf und versuchten es mit weiterschlafen, das war aber auf Grund der jetzt zunehmenden Kälte nicht mehr möglich. Also sagte Martin ein wenig fluchend "Na dann steh ich halt auf ", mir schien das auch das Vernünftigste. Auf der Holzbrücke vom Campingplatz bildete sich in den frühen Morgenstunden eine richtige Eisschicht. Die Temperaturen unter null machten auch dem Gaskocher Schwierigkeiten, denn gefrorenes Gas entweicht nur sehr langsam aus der Düse aber für eine kleine Flamme reichte es noch. So konnten wir uns einen heißen Tee kochen.

Martin leicht frierend beim Tee kochen
Als wir beim Frühstücken waren, kam der Platzwart nach uns schauen ob wir noch lebten (anscheinend waren wir ihm doch nicht so egal). Nach dem Stress des letzten Tages wollten wir es etwas ruhiger angehen, ich baute mir noch eine Angel und warf sie aus, habe aber nichts gefangen.

Ich im morgendlichen Übermut
Nach dem Frühstück kamen zwei Männer die mit Winterfestmachungen beschäftigt waren und räumten Kühlschränke und ähnliches in die auf Stelzen stehende Hütte. Einer erzählte mir, dass die Altmühl im Winter und im Frühjahr über die Ufer kommt und so alles hochgestellt werden muss. Wie sich herausstellte war es ein Archäologe aus Frankfurt am Main der den ganzen Sommer im Altmühltal verbringt und in den vielen Steinbrüchen Ausgrabungen vornimmt. Seinen größten Fund hat er vor 5 oder 6 Jahren auf dem Privatgrund von "dem Seemüller" gemacht, ich weiß trotz recherchieren zwar immer noch nicht wer das ist aber vielleicht kann mir ja einer weiterhelfen.tiloela@googlemail.com Auf alle Fälle ist es wohl ein Babyraptor, der seit einen Jahr in Eichstätt in der Willibaldsburg ausgestellt wird und angeblich sehr wertvoll ist. Das war schon ein netter Vogel. Wenn ich wieder ins Altmühltal komme und die Tour fortsetze habe ich ihm versprochen mir den Babyraptor (den richtigen Namen habe ich vergessen konnte mir halt nur die Beschreibung merken) mal anzuschauen. Aber auch die Steinbrüche und Ausgrabungsstätten interessieren mich noch.
Jetzt packten wir dann langsam alles zusammen. Die Umsetzstelle vom Wehr befand sich hinter dem Zaun des Campingplatzes in dem sich keine Tür befand (warum auch immer?). Wir hätten also das Boot beladen müssen, 20 m paddeln und dann alles wieder ein und auspacken dürfen. Da wir sowieso allein waren haben wir beschlossen alles über den Zaun zu heben und das Boot leer rumzuschippern. Das ging auch sehr gut. Beim Beladen des Kanus kam ein Passant vorbei und meinte er würde uns eine Urkunde für die letzten Paddler auf der Altmühl im Jahre 2007 überreichen. Wie man sieht reagierten die Leute doch recht unterschiedlich auf unsere späte Tour, die Einen fanden es einfach nur super und die Anderen dachten wir haben einen Vogel, aber auch dass machte nichts denn normal sein kann ja jeder. Es war 11.15 Uhr als wir im Boot saßen, erstaunlich wie schnell die Zeit auf und an dem Wasser vergeht.

Altmühl mit Baum
Da es eigentlich noch immer unerträglich kalt war haben wir beschlossen heute noch bis nach Solnhofen zu paddeln und unsere Tour dort an der Hefeler Mühle zu beenden. Es war ein wunderschöner Samstag auf der Altmühl, die Sonne schien und ließ die Laubbäume in allen Farben leuchten.

Altmühl kurz vor Zimmern
Wir waren Teil der wunderschönen Natur, das war sehr beeindruckend. Wir ließen uns bis Zimmern fast nur treiben und genossen diese schöne Welt.

Altmühl zwischen Zimmern und Solnhofen
Vor Zimmern kam die Strömung fast ganz zum erliegen, wo wir einfach stehen blieben und unser Angelglück noch mal versuchten, aber ohne Erfolg den Fischen war es wohl schon zu kalt. Und da wir schon wieder Hunger hatten, aßen wir unser letztes Brot und hatten nun also auch kein Köderbrot mehr, also stellten wir das Angeln ein.

Einsetzstelle in Zimmern
In Zimmer am Wehr trugen wir in aller Gemütsruhe um (die Ein- und Aussetzstellen an der Altmühl sind vorbildlich). Nun paddelten wir doch etwas zügiger in der Hoffnung warme Füße zu bekommen, aber dem war nicht so. Der guten Stimmung allerdings tat das aber kein Abbruch.

Altmühl vor Solnhofen
Gegen 14.30 Uhr erreichten wir die Hefeler Mühle an der sich auch ein Bootsrastplatz mit Feuerstelle befindet. Dieser war allerdings auf meiner Karte nicht eingezeichnet ist aber sehr zu empfehlen, da die Betreiber der Mühle mitsamt Getränkemarkt und Restaurant sehr nette und herzliche Leute sind. Wir aßen in dem kleinen gemütlichen Restaurant ein super leckeres Schweinesteak (preisgünstig) und unterhielten uns mit dem Inhaber. Der unsere kleine verrückte Paddeltour echt super fand, so dass er uns anbot an der Mühle an seiner Kanustation (die hatte natürlich geschlossen) direkt an der Straße auszusetzten.

Hefeler Mühle Kanustation Ende unserer Tour
Hier endet nun unsere Paddeltour, ich ging zum Bahnhof (Vorsicht bissiger Bahnhofsvorsteher) und holte unser Auto in Treuchtlingen. Alles in allem war die Tour zwar kalt und kurz aber absolut Spitze! Ich habe mir vorgenommen nächstes Jahr wieder zu kommen und die Altmühl noch länger zu inspizieren.
Bis dann Altmühl!